Tipp24Blog

Chronologie eines "Game Over" mit dreijähriger Ansage

Tipp24-HV: SdK kritisiert Vorstand, Aufsichtsrat, Schweizer Stiftung

Posted by tipp24blog - 18.06.2009

Vorstand und Aufsichtsrat der Tipp24 AG mußten sich auf der Hauptversammlung 2009 am 16.6.2009 in Hamburg zum Teil scharfe Kritik von Anlegerschützern und Aktionärsvertretern gefallen lassen. Dieses wurde aus dem Unternehmen nahestehenden Kreisen bekannt.

So kritisierte der Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kleinanleger (SdK), Herr Peter Tschirner, die Verlagerung des über England abgewickelten operativen Geschäftes der Tipp24 AG in eine Schweizer Stiftung. Bei der gewählten Rechtskonstruktion wäre von einer faktischen Beherrschung durch die Tipp24 AG auszugehen. Eine rechtliche Abkoppelung würde nicht vorliegen, die Tipp24 AG könne somit weiterhin für die vom Ausland aus angebotenen Lotto-Geschäfte haftbar gemacht werden.

Der SdK-Sprecher bemängelte ebenfalls das Fehlen von Aussagen zur Unternehmensstrategie im Lagebericht des Vorstandes. Eine Präsenz im Ausland sei noch keine Strategie. Der Sprecher kritisierte das Fehlen von Planzahlen für 2009.

Dem Aufsichtsrat warf der SdK-Sprecher mangelnde Voraussicht vor. Noch am 1.4.2008 seien die zwei weiteren Vorstände Geiss und Strombeck berufen worden, die bereits 11 Monate später mit Abfindungen wieder abberufen worden seien. Dieses hätte vor dem Hintergrund des bereits zum 1.1.2008 in Kraft getretenen Glücksspielstaatsvertrages nicht erfolgen dürfen. Der Vorgang könne ein „Geschmäckle“ haben.

Der Sprecher des SdK erklärte, eine Entlastung des Aufsichtsrates vom weiteren Verlauf der Hauptversammlung abhängig machen zu wollen.

Der SdK-Sprecher forderte mehr Transparenz beim Jahresabschluß 2008 und stellte mehr als 20 Einzelfragen. Schwerpunkt waren die auf über EUR 8 Mio. gestiegenen sonstigen Kosten, Angaben zu Abschreibungen, zum Cash Flow, die aktuellen Hauptstreitfälle, Schadensersatzzahlungen sowie der Rechtsfall enter.tv/Marloh.

Bei den Sonstigen Kosten bezifferte der Vorstand die Rechts- und Beratungskosten im Jahr 2008 auf über EUR 2 Mio., bei den erhöhten Abschreibungen von EUR 1,5 Mio. seien im wesentlichen IT-Investitionen enthalten, glücksspielrechtliche Streitfälle würden in allen 16 Bundesländern vor Verwaltungsgerichten mit Streitwerten zwischen EUR 50.000 und EUR 600.000 verhandelt. Im Rechtsfall enter.tv/Marloh gehe es um Zahlungen von EUR 1,3 Mio. und eine 20%-ige Unternehmensbeteiligung. Gegen ein Zwangsgeld von EUR 100.000 seien Rechtsmittel eingelegt worden. Insgesamt seien nur Rückstellungen von EUR 20.000 für laufende Verfahren gebildet worden. Der Vorstand gehe von positiven Prognosen aus und bewerte das Prozeßrisiko aller Verfahren mit maximal EUR 1 Mio.

Auf Grund der deutschen Rechtslage würden Gewinne aus dem operativen Geschäft künftig bei den englischen Konzerngesellschaften myLotto24 Ltd. und Tipp24 Services Ltd. thesauriert. Die auf der Hauptversammlung zu beschließenden Kapitalherauf- und herabsetzungen hätten das Ziel, die gebundene Kapitalrücklage der Tipp24 AG in eine freie Kapitalrücklage umzuwandeln. Mit dem Kapital  sollten die Kosten der Holding auch ohne Zuflüsse aus England gedeckt werden. Der Vorstand nannte auf Nachfragen die Stiftungsräte der Stiftung „Fondation enfance sans frontières“, bestand aber auf Geheimhaltung des mit der Stiftung abgeschlossenen Vertrages. Mit der Umwandlung in eine europäische Aktiengesellschaft solle einem europäischen Geschäftsmodell Rechnung getragen werden. Eine Sitzverlegung sei nicht geplant.

Weitere Fragen des SdK betrafen den Ausblick für 2009, insbesondere rechtliche Risiken für das Lottogeschäft im europäischen Ausland, speziell nach den Abschaltungen in Italien, den verbliebenen Wert der Tipp24-Kundendatei nach dem 1.1.2009, die geplante Neukundengewinnung, geplante Umsätze, geplante Abschreibungen, den erwarteten Breakeven für das Skillgaming sowie geplante Wachstumsbereiche.

Der Vorstand sah sich nicht in der Lage, die Entwicklung des Geschäftes im zweiten Halbjahr 2009 abzuschätzen. Er erwarte keine zusätzlichen rechtlichen Probleme in Europa.

Die Aktienverkäufe durch das Vorstandsmitglied Cornehl hätten nichts mit der gleichzeitigen Aufnahme in den SDAX zu tun gehabt. Herr Cornehl hätte zu diesem Zeitpunkt auch nicht 50% sondern nur 30% der von ihm und seiner Frau gehaltenen Aktien verkauft.

Anwesend waren 55,1% des stimmberechtigten Kapitals. Den Vorschlägen der Verwaltung wurde mit der relativen Mehrheit von 30% der im Aufsichtsrat vertretenenen Lotterie-Günther-Holding zugestimmt. Zu allen Tagesordnungspunkten wurde von Aktionären Widerspruch zu Protokoll gegeben.

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