Tipp24Blog

Chronologie eines "Game Over" mit dreijähriger Ansage

Archive for März 2011

Tipp24-Hauptversammlung 2011: Akquisition, Rücktritt, noch mehr Risiken (Vorstand Hans Cornehl, Ex-Aufsichtsrat Klaus Jaenecke)

Posted by tipp24blog - 15.03.2011

Die Hauptversammlung 2011 der Tipp24 SE am 10.6.2011 in Hamburg dürfte interessant werden. Zu erwarten sind „Umstrukturierungen“, eine Akquisition und personelle Veränderungen.

Während die Hauptversammlung 2010 im Zeichen der gescheiterten Kapitalerhöhung sowie von unwahren Angaben des Vorstandes zu Versicherungsschäden, Haftungsrisiken und Insiderhandel stand, steht im Juni 2011 vermutlich die Abstimmung über eine weitgehend geheim vorbereitete Akquisition an. Damit soll das seit Jahren bestehende Strategiedefizit der Hamburger nach der gescheiterten Expansion in den Spielemarkt bereinigt werden. Ob die vorgeschlagene Übernahme unter einem besseren Stern steht, bleibt abzuwarten.

Beim Produktangebot hatte der Hamburger Anbieter mehrfach auf das falsche Pferd gesetzt und war auf allen Ebenen mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Während die von Tipp24 aufgegebenen Sportwetten in Kürze in Deutschland wieder zugelassen werden, bleibt der Online-Lottomarkt vermutlich weiter geschlossen.

Beim Internet-Lotto, wo Tipp24 seit 2009 auf eigenes Risiko als Buchmacher (!) tätig ist, erhöht sich statt einer Legalisierung hingegen das Risiko: so wurde zwischenzeitlich bekannt, daß die zur Rechtsumgehung zwischengeschaltete Schweizer Stiftung von einem Oberverwaltungsgericht als „Strohmanngeschäft“ enttarnt wurde. Damit dürfte ziemlich alles falsch sein, was Vorstand und Aufsichtsrat dazu in Jahresabschlüssen und öffentlichen Dokumenten behauptet haben. Fazit: Unternehmen und Organe haften für ihre strafbare Umgehung des deutschen Glücksspielrechtes. Haftungsrisiko: die gesamten Einnahmen der Jahre 2009 und 2010.

Der Rücktritt des Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Jaenecke markiert das Ende einer seit 2005 anhaltenden Schwächeperiode. Statt richtungsweisende Strategien zu ermöglichen, verwendete der „M&A-Experte“ seine Kreativität auf die Optimierung von Beratungs- und Aufsichtsratsvergütungen. Währenddessen spielte die Musik andernorts. So wurde BWIN nach der Fusion mit Partygaming in 2010 mit einem Umsatz von 682.000.000 Euro und einem EBITDA von 196.000.000 Euro zum uneinholbaren internationalen Marktführer im Bereich Online Wetten und Spiele.

Der Rückstand der Hamburger lud bereits zu öffentlichen Spekulationen ein. So berichtete das Hamburger Abendblatt am 26.2.2011 über eine bevorstehende Veräußerung des maroden Call-In-Erotik-Senders SPORT1. Der Sender, der seine Zuschauer nachts durch spärlich bekleidete osteuropäische Damen zu teuren Telefonanrufen animiert, hatte in 2009 einen Verlust von 15.732.000 Euro eingefahren und schrieb auch in2010 passend rote Zahlen, da er von der Trendwende am Werbemarkt nicht profitieren konnte. Neben BWIN wurden im Umfeld auch andere potentielle Aufkäufer, darunter Tipp24, genannt. Bisheriger Eigentümer ist die Münchner Constantin Medien AG, deren Aktienkurs seit dem Hoch in 2005 um etwa 70% gesunken ist.

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Prozeß-GAU bei Tipp24: Verwaltungsgerichtshof nennt Schweizer Stiftung „Strohmann-Geschäft“ (Vorstand Hans Cornehl)

Posted by tipp24blog - 13.03.2011

3,2,1 – aus.  Nachdem die Legalisierung des Lottogeschäftes im neuen Staatsvertrag in weite Ferne gerückt ist, wurde nun bekannt, daß der Hessische Verwaltungsgerichtshof die Immunität des Vorstandes und der Gesellschaft annulliert hat.

In seiner unanfechtbaren Entscheidung 8B 2939/09 kommt der VGH Hessen zu folgendem Schluß:

„Insgesamt stellt sich die Gründung der Schweizer Stiftung dem Senat als Scheingeschäft dar, ähnlich den aus dem Gewerberecht bekannten Strohmannverhältnissen, die im Gewerberecht dazu dienen, zu verschleiern, von welcher Person ein Gewerbe in Wirklichkeit betrieben wird.“

Mit dieser kühlen Feststellung dreht der 8. Senat die Uhr um exakt 24 Monate zurück:

in einer Nacht-und-Nebel-Aktion hatte der Vorstand nach den ersten Verfolgungsmaßnahmen im April 2009 die Mehrheiten an den englischen Briefkastenfirmen Tipp24 Services Ltd. und myLotto 24 Ltd. an die Schweizer Stiftung „Fondation Enfance sans Frontieres“ übertragen. Durch diese angebliche „Entherrschung“ wollte der Vorstand sich und die Vermögenswerte des Konzerns vor zivil- und strafrechtlicher Verfolgung sichern.

Mit der Entscheidung des VGH Hessen sind nunmehr die Jahresabschlüsse 2009 und 2010 sowie weitere öffentliche Dokumente der Tipp24 SE in entscheidenden Teilen falsch und nichtig. Fazit: Unternehmen und Organe haften für die strafbare Umgehung des deutschen Glücksspielrechtes. Haftungsrisiko: der Umsatz seit 1.1.2009.

VGH Hessen 8B 2939/09

VGH Hessen 8B 2939/09

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