Tipp24Blog

Chronologie eines "Game Over" mit dreijähriger Ansage

Archive for the ‘Aktie’ Category

Neues und Hintergründe zur Aktie (WKN: 784714)

Jetzt offiziell: Fast keine Tipp24-Kunden in England (ZEAL Network SE, Hans Cornehl)

Posted by tipp24blog - 19.04.2015

Eine britische Steuerreform macht’s möglich: Tipp24 / ZEAL Network SE legt offen, daß sich kaum Kunden in England befinden. Ab 30.4.2015 kennt Ihrer Majestät Schatzamt alle deutschen Lotto-Spieler – und nimmt diese von der Besteuerung aus. Der Datenschutz wird bestimmt halten. Die Aktionäre räumen jetzt quartalsweise ab.

I.

Wie Tipp24 SE / ZEAL Network SE mitteilt, gilt ab 1.12.2014 in England für Spiel- und Wettsteuern das Verbraucherland-Prinzip (PM vom 10.10.2014, HMRC vom 29.9.2014). Damit unterliegen nur Umsätze mit Kunden in England der „Remote Gaming Duty“ von 15%. Den finanziellen Effekt beschreibt das Management in der vorgenannten Meldung wie folgt:

Had the new rules already applied to the gross gambling yield of the past four quarters, consolidated direct costs of operation would have been reduced by a total of ca. EUR 16.5 million [PM].

Damit unterliegen EUR 110.000.000 (EUR 16,5 Mio. / 15%) bzw. 80% des aus Firmensicht „außerdeutschen“ Umsatzes von EUR 138.000.000 nicht der britischen Spielsteuer. Da diese 80% aus englischer fiskalischer Sicht im Ausland liegen und Online-Präsenzen wie Spanien aus Firmensicht zu Deutschland gehören, liegt der Schluß nahe, daß die Tipp24 SE / ZEAL Network weiterhin zu etwa 80% von „illegaler Glücksspielveranstaltung  und schmarotzerischer Leistungsübernahme“ (Deutscher Lottoblock über MyLotto24 Ltd. und Tipp24 Services Ltd.) in Deutschland abhängt.

II.

Der erste Steuerstichtag unter dem neuen Recht ist der 31.3.2015, Abgabetag ist der 30.4.2015. Der Aufenthaltsort der Spielkunden ist widerspruchsfrei zu verifizieren:

If a customer gives a non-UK address, gaming providers must verify the customer’s declared location by reference to other information in their systems. It’s not acceptable for gaming providers to simply accept assertions from customers about where they live. …

Gaming providers should consider the customer’s statement that they don’t live in the UK against all other information they hold about the customer…Typical information items will be the customer’s:
+ address on a bank statement
+ address associated with a credit card
+ address on their driving licence
+ contact phone number and the country code attached to it      [Excise Note 455a].

Die Aufenthaltsorte sind Ihrer Majestät Steuerbeamten in maschinenlesbarer Form zugänglich zu machen:

Gaming providers have a responsibility to keep their records on customer location up to date. These records must be capable of audit by HMRC [Excise Note 455a].

Transaktionsdaten sind vier Jahre vorzuhalten:

A gaming provider must retain all business records for the purposes of RGD for 4 years [Excise Note 455a].

III.

Diese Daten werden ziemlich sicher aufbewahrt. Es gibt nur drei Ebenen („Gateways“), auf denen HMRC kommuniziert. Dazu gehören schlichte 250 „information gateways“ auf Basis nationalen und übernationalen Rechts:

HMRC shares information through about 250 information gateways altogether with a large number of third parties, including 25 government departments, about 50 agencies, the devolved governments, Local Authorities, other countries (e.g. through double taxation agreements) and the Bank of England [HMRC Annex D].

Da im Zeitalter des Krieges gegen XYZ finanzielle Transparenz zum guten Ton zwischenstaatlicher Beziehungen geworden ist, dürfte Amtshilfe unter Verbündeten das „Rätsel“ der Spieleraufenthalte kurzfristig lösen.

IV.

Dem neuen Risikoprofil angemessen verkündet der Vorstand (Hans Cornehl, Helmut Becker, Jonas Mattson) im Geschäftsbericht 2014:

Interim dividends are expected to be paid in four installements in 2015 (S. 3).

 

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Wirtschaftswoche: Chaos bei Tipp24 durch einbehaltenen Spielgewinn (Vorstand Hans Cornehl)

Posted by tipp24blog - 01.11.2014

Gewinnauszahlung Glückssache.

Die Wirtschaftswoche stellt den Fall am 2. September 2014 so dar:

„Der Internet-Lottoanbieter Tipp24 musste seine Gewinnwarnung wieder revidieren. Seriöse Anlegerinformation geht anders. Jetzt prüft die BaFin den Fall.

Erst am Sonntag hatte Tipp24 seine Gewinnprognose für 2014 auf zehn bis 20 Millionen Euro gesenkt. Die ursprüngliche Umsatz-Prognose schraubte das Unternehmen auf 90 bis 100 Millionen Euro herab.

Wie kann es sein, dass ein Konzern eine falsche Ad-hoc-Meldung herausgibt, und diese wieder zurückziehen muss?

Auslöser für die Gewinnwarnung war ein angeblicher Lottogewinn bei der Tipp24-Minderheitsbeteiligung MyLotto24 Limited. Die, so sagte es ein Sprecher von Tipp24, habe dem Unternehmen am Sonntag gemeldet, dass der Jackpot in Höhe von 44 Millionen Euro war geknackt worden sei. Tipp24 sei deswegen verpflichtet gewesen, den Kapitalmarkt darüber zu informieren. Tipp24 hatte am Sonntag mitgeteilt, dass ein Teil des Spielgewinns bei MyLotto24 sei zwar durch Sicherungsinstrumente abgedeckt sei. Die hohe Auszahlung belaste aber trotzdem den Gewinn (Ebit) im laufenden Geschäftsjahr mit rund fünf Millionen Euro.“

Wie das geht?

Die Interpretation der neuen (alten?) AGBs bietet Anwälten, Systemadministratoren und schwitzenden Kassenwarten einigen Spielraum. Dort heisst es zum Beispiel:

„10. Rechte von MyLotto24
10.1 Nichtbestehen eines Anspruchs auf Gewinne
10.1.1 Der Spielteilnehmer hat gegenüber MyLotto24 keinen Anspruch auf einen Gewinn und dessen Auszahlung in den folgenden Fällen:
+ für Tipps, die nach dem jeweiligen Annahmeschluss abgegeben wurden,
+ für Tipps, die irrtümlich auf der Website nach Annahmeschluss für die jeweilige Ziehung bzw. das jeweilige Spiel oder bezüglich einer Ziehung oder eines Spiels angenommen wurden, das zum Zeitpunkt der Abgabe des Tipps bereits stattgefunden hat,
+ falls MyLotto24 Kenntnis von einem Irrtum in Bezug auf einen Tipp oder eine Ziehung erlangt und den Spielteilnehmer zur Berichtigung des Irrtums und Bestätigung des Tipps vor Annahmeschluss für die jeweilige Ziehung nicht erreichen kann,
+ für Tipps, die von einem Spielteilnehmer abgegeben wurden, der falsche oder irreführende Angaben in Verbindung mit seinem Spielkonto oder anderweitig in Verbindung mit der Website und der darüber erhältlichen Services gemacht hat,
+ für Tipps, die von einem Spielteilnehmer abgegeben wurden, der an betrügerischen Handlungen in Bezug auf die Abgabe von Tipps, die Führung seines Spielkontos oder anderweitig in Verbindung mit der Website oder der darüber angebotenen Services beteiligt gewesen ist“

Es reicht also, wenn ein Spieler sich unter einem Decknamen bei seinem Spielkonto anmeldet und damit „falsche oder irreführende  Angaben“ macht. Hilfsweise führt der undefinierte Annahmeschluss dazu , daß ein Tipp nur „irrtümlich“ angenommen wird. Grundsätzlich steht ansonsten bis zum Beweis des Gegenteils jeder in Verdacht, Tipp24 „betrügen“ zu wollen. Zum Beispiel durch kursschädliche Gewinnansprüche.

 

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„Schlimmste Befürchtungen übertroffen“: Jaxx SE stellt deutsches Online-Lotto ein (Vorstand: Mathias Dahms)

Posted by tipp24blog - 13.06.2012

Kein werthaltiges Geschäft. Die mit Sportwetten erfolgreiche Jaxx SE stellt ihr deutsches Online-Lotto-Geschäft ein. Als Begründung wurde mitgeteilt, daß der Markt für Online-Lotto in Deutschland weiter stark rückläufig sei. Der Lotto-Umsatz von Jaxx ging seit 2009 um 30% zurück.

Aus der Mitteilung der Jaxx SE vom 8.5.2012:

„Aktuelle Marktdaten bestätigen die Strategie der JAXX-Gruppe: Der deutsche Lotto-Markt ist weiter stark rückläufig.Die Spieleinsätze für das traditionelle Lotto 6 aus 49 mit seinen Zusatzlotterien lagen nach den ersten drei Monaten 2012 rund 8,2 Prozent unter denen des Vorjahrs. Und selbst das mit hohen Erwartungen gestartete neue Lottoangebot ‚Eurojackpot‘ übertrifft mit einem Spieleinsatz von zuletzt nur 12,1 Mio. Euro pro Woche die schlimmsten Befürchtungen und droht sogar das traditionelle Lotto zu kannibalisieren“ (Meldung vom 8.5.2012).

Die Entscheidung war richtig – die geringe Marge im möglicherweise legalen deutschen Geschäft reicht nicht aus, um den Kaufpreis von 12,5 Mio. Euro für die Jaxx-Kundendatenbank zu refinanzieren.

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Netzsperre gegen Tipp24: Umsatz minus 85% ? (Vorstand Hans Cornehl)

Posted by tipp24blog - 06.05.2011

Tipp24 am seidenen Faden. Zugriffe aus Deutschland auf das illegale Angebot von tipp24.com sollen künftig technisch vollständig unterbunden werden. Damit würde Tipp24 etwa 85% seines Umsatzes einbüßen. Zur Netzsperre forderte die Bezirksregierung Düsseldorf die beiden größten deutschen Internet-Provider Telekom und Vodafone in ihrer Sperrverfügung vom August 2010 auf. Den Vollzug setzte die Bezirksregierung für die Dauer des seither laufenden Verfahrens vor dem Düsseldorfer Verwaltungsgericht aus.

Tipp24 erzielt etwa 85% seines Umsatzes mit Kunden aus Deutschland, wie sich aus der Zugriffsstatistik der zu COLT Telecom nach London ausgelagerten Website vom 6. Mai 2011 ergibt:

Zugriffsstatistik von tipp24.com (Quelle: alexa.com, 6.5.2011)

Zugriffsstatistik von tipp24.com (Quelle: alexa.com, 6.5.2011)

Wird die Sperre wirksam, könnte das schnelle Aus für Tipp24 drohen: ein Jahresumsatz von nur noch € 15 Mio. wäre zu gering, um die Kosten der 230 Mitarbeiter bei der Tipp24 SE und ihren verdeckt operierenden Hamburger Dependancen Elbsurfer, E-Sailors und Businesslotsen zu decken.

Wie sich das Ende bewußter Rechtsumgehungen auf einen Aktienchart auswirken kann, illustriert der Fall ENRON aus dem Jahr 2002:

Kurs der ENRON-Aktie vor und nach der Aufdeckung von Rechtsproblemen

Kurs der ENRON-Aktie vor und nach der Aufdeckung von Rechtsproblemen

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Tipp24 Entertainment GmbH verliert EUR 7.150.000 (Geschäftsführer Hans Cornehl und Sven Ivo Brinck)

Posted by tipp24blog - 28.04.2011

Rot, röter, Tipp24 Games. Die von Vorstand Hans Cornehl als Alternative zum illegalen Lottogeschäft in 2008 angekündigte Spieletochter Tipp24 Entertainment GmbH produziert weiter steigende Verluste. Nach einem Rekordminus von EUR 3.300.000 in 2010 beläuft sich der kumulierte Fehlbetrag seit 2008 laut Geschäftsbericht 2010 auf stolze EUR 7.150.000.  Damit hat der Vorstand bereits das 1,8-fache der Jahresdividende 2008 verbrannt, ohne daß sich Aussicht auf Besserung abzeichnen würde.

Verboten: Tipp24-Glücksspiel "Hush Hasis"

Verboten: Tipp24-Glücksspiel "Hush Hasis"

Die Diversifikation von Tipp24 ist auch deshalb gescheitert, weil neben Internet-Lotto auch diese „Spiele“ wegen Verstoß gegen das Glücksspielverbot untersagt wurden, wie sich aus dem Geschäftsbericht 2010 (Seite 32) ergibt.

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Tipp24-Hauptversammlung 2011: Akquisition, Rücktritt, noch mehr Risiken (Vorstand Hans Cornehl, Ex-Aufsichtsrat Klaus Jaenecke)

Posted by tipp24blog - 15.03.2011

Die Hauptversammlung 2011 der Tipp24 SE am 10.6.2011 in Hamburg dürfte interessant werden. Zu erwarten sind „Umstrukturierungen“, eine Akquisition und personelle Veränderungen.

Während die Hauptversammlung 2010 im Zeichen der gescheiterten Kapitalerhöhung sowie von unwahren Angaben des Vorstandes zu Versicherungsschäden, Haftungsrisiken und Insiderhandel stand, steht im Juni 2011 vermutlich die Abstimmung über eine weitgehend geheim vorbereitete Akquisition an. Damit soll das seit Jahren bestehende Strategiedefizit der Hamburger nach der gescheiterten Expansion in den Spielemarkt bereinigt werden. Ob die vorgeschlagene Übernahme unter einem besseren Stern steht, bleibt abzuwarten.

Beim Produktangebot hatte der Hamburger Anbieter mehrfach auf das falsche Pferd gesetzt und war auf allen Ebenen mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Während die von Tipp24 aufgegebenen Sportwetten in Kürze in Deutschland wieder zugelassen werden, bleibt der Online-Lottomarkt vermutlich weiter geschlossen.

Beim Internet-Lotto, wo Tipp24 seit 2009 auf eigenes Risiko als Buchmacher (!) tätig ist, erhöht sich statt einer Legalisierung hingegen das Risiko: so wurde zwischenzeitlich bekannt, daß die zur Rechtsumgehung zwischengeschaltete Schweizer Stiftung von einem Oberverwaltungsgericht als „Strohmanngeschäft“ enttarnt wurde. Damit dürfte ziemlich alles falsch sein, was Vorstand und Aufsichtsrat dazu in Jahresabschlüssen und öffentlichen Dokumenten behauptet haben. Fazit: Unternehmen und Organe haften für ihre strafbare Umgehung des deutschen Glücksspielrechtes. Haftungsrisiko: die gesamten Einnahmen der Jahre 2009 und 2010.

Der Rücktritt des Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Jaenecke markiert das Ende einer seit 2005 anhaltenden Schwächeperiode. Statt richtungsweisende Strategien zu ermöglichen, verwendete der „M&A-Experte“ seine Kreativität auf die Optimierung von Beratungs- und Aufsichtsratsvergütungen. Währenddessen spielte die Musik andernorts. So wurde BWIN nach der Fusion mit Partygaming in 2010 mit einem Umsatz von 682.000.000 Euro und einem EBITDA von 196.000.000 Euro zum uneinholbaren internationalen Marktführer im Bereich Online Wetten und Spiele.

Der Rückstand der Hamburger lud bereits zu öffentlichen Spekulationen ein. So berichtete das Hamburger Abendblatt am 26.2.2011 über eine bevorstehende Veräußerung des maroden Call-In-Erotik-Senders SPORT1. Der Sender, der seine Zuschauer nachts durch spärlich bekleidete osteuropäische Damen zu teuren Telefonanrufen animiert, hatte in 2009 einen Verlust von 15.732.000 Euro eingefahren und schrieb auch in2010 passend rote Zahlen, da er von der Trendwende am Werbemarkt nicht profitieren konnte. Neben BWIN wurden im Umfeld auch andere potentielle Aufkäufer, darunter Tipp24, genannt. Bisheriger Eigentümer ist die Münchner Constantin Medien AG, deren Aktienkurs seit dem Hoch in 2005 um etwa 70% gesunken ist.

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Tipp24: Jens Schumann verkauft (Vorstand: Hans Cornehl)

Posted by tipp24blog - 06.10.2010

Ex-Vorstand Schumann verkauft Tipp24-Aktien. Das geht aus einer Pflichtveröffentlichung vom 6.10.2010 hervor: Den Rest des Beitrags lesen »

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Tipp24-Gesagt-Gemeint: „Setzen wir ein klares Zeichen für den Wiederaufbau des Vermittlungsgeschäfts…“ (Hans Cornehl)

Posted by tipp24blog - 29.09.2010

In ihrer Reihe „Gesagt-Gemeint“ analysiert die FTD täglich Äußerungen von prominenten Wirtschaftspersonen.
tipp24blog erweitert die Reihe um Aussagen von Wirtschaftsflüchtlingen.

Am 29.9.2010 gab Vorstand Hans Cornehl in einer etwas pompösen Pressemitteilung bekannt, daß das Unternehmen 361.180 Aktien aus dem eigenen Bestand verkauft hätte.  Zuvor hatten die Aktionäre auf der Hauptversammlung 2010 eine Kapitalerhöhung um 3.992.544 Aktien verhindert. Den Rest des Beitrags lesen »

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EuGH: Fata Morgana am Hamburger Straßenbahnring. Glücksspielstaatsvertrag bleibt. (Tipp24, Vorstand Hans Cornehl)

Posted by tipp24blog - 10.09.2010

Fata Morgana in der Lottowüste. Das deutsche Lotto-Monopol und der Glückspielstaatsvertrag werden durch das Urteil des EuGH  in der Sache Carmen Media ./. Land Schleswig-Holstein vom 8.9.2010 (C-46/08) nicht angetastet.

Der EuGH hebt keine Gesetze oder Staatsverträge auf. Der EuGH gibt Verwaltungsgerichten in seinem Urteil lediglich zwei  Hinweise für laufende Verfahren:

  1. Sollten die staatlichen Lottogesellschaften ihre Werbung nicht einschränken, könnte nach Ermessen des befaßten Gerichtes wegen mangelnder Kohärenz im Sinne eines privatwirtschaftlichen Prozeßgegners entschieden werden. Ob Verwaltungsgerichte tatsächlich so entscheiden werden, ist völlig offen. Oberverwaltungsgerichte können diese Entscheidungen wieder aufheben. Verfahrensdauer: 2-3 Jahre.
  2. Sollte der Bund den Zugang zu Spielautomaten (siehe SpielV) nicht einschränken, gilt gleiches.

Auch ohne Manager Legal & Business Affairs bei Tipp24 ist für den dortigen Noch-Vorstand Hans Cornehl absehbar:

  1. Die Lotteriegesellschaften werden ihre Werbung sofort einschränken oder einstellen.
  2. Der Bundesrat wird umgehend eine Verschärfung der Spielverordnung einleiten.

Damit werden Verwaltungsgerichte absehbar keinen Ansatz finden, anders als im Sinne der jetzigen Rechts- und Vertragslage zu entscheiden.

Trotz der durch irreführende PR erzeugten Fata Morgana* schaffte es die Aktie nicht, ihren Abwärtstrend zu durchbrechen.

Kurs Tipp24 SE: kleine Exit-Chance

Schlechte Zeiten für die Insider-Verkäufer des Jahres 2009 und die Mitwirkenden bei Elbsurfer Marketing, E-Sailors IT Solutions und Businesslotsen HR & Accounting.

*Fata Morgana: optische Täuschung durch viel heiße Luft

Nachtrag am 13.9.2010:

Die größte deutsche Lottogesellschaft, WestLotto führt zum Thema in ihrer Pressemeldung vom 10.9.2010 aus:

Online-Wetten sind weiterhin illegal

Die Richter in Luxemburg fordern Deutschland in ihrem Urteil auf, alle Glücksspielbereiche von den Sportwetten über Lotterien bis hin zu den bisher nicht erfassten Pferdewetten und Geldspielautomaten in Spielhallen und Gaststätten künftig einheitlich am Ziel der Spielsuchtprävention auszurichten. […] Der ohnehin für 2012 geplante neue Glücksspielstaatsvertrag wird durch das Urteil also wohl früher kommen, als zunächst erwartet […] An der Gültigkeit der aktuellen Fassung ändert das Urteil nichts.

Damit erklärt die Gegenseite in einfachen Sätzen ihre Strategie und bestätigt die Einschätzung von tipp24blog vom 9.9.2010.

Nachtrag am 14.9.2010:

Der Deutsche Lotto und Toto Block (DLTB) führte am 8.9.2010 in einer Pressemeldung aus:

DLTB: Glücksspielmonopol hat weiterhin Bestand

Heutige Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) bestätigen Zulässigkeit eines ausschließlich staatlichen Glücksspielangebotes. Politik in Bund und Ländern muss nun Maßnahmen gegen suchtgefährdendes Automatenspiel ergreifen. Glücksspielanbieter aus anderen Ländern in Deutschland weiterhin illegal. […]

Der Europäische Gerichtshof hat klargestellt, dass die EU-Mitgliedsstaaten entscheiden können, ob sie ein Kommerzmodell oder ein am Gemeinwohl orientiertes Staatsvertragsmodell wollen“

Als Service für Qualitätsjournalisten setzen wir unsere kleine didaktische Gewinnspielreihe fort:

Alle Einsendungen an tipp24blog@ymail.com nehmen an der Verlosung eines Lotto-Dauerscheines teil.

Nachtrag am 18.9.2010:

Darauf, daß das Internet-Verbot weiter gilt, weisen die privaten Anbieter selbst durch ihren andauernden Verzicht auf Online-Werbung hin.

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Tipp24 HV: Hans Cornehl versichert, bei Aktienverkauf nichts von Versicherungsproblem gewußt zu haben (Tipp24 Hauptversammlung)

Posted by tipp24blog - 09.07.2010

Chuzpe. Am 2.11.2009 verkündet Cornehl, daß die Versicherung EUR 21.700.000 für den Jackpot vom 23.9.2009 zahlt und auch der Selbstbehalt von EUR 10.000.000 durch ein erhöhtes Spielaufkommen kompensiert wird.

Ebenfalls am 2.11.2009 verkaufen Cornehl und Frau 30.000 Aktien zum Höchstkurs von € 29,94 für zusammen €898.308.

Einen Tag später, am 3.11.2009, enthüllt die Financial Times Deutschland, daß die Münchner Rückversicherung für den Jackpot nicht zahlen wird.

Am 8.6.2010 sagt Cornehl der Hauptversammlung, daß er in 2009 von einem Versicherungsproblem nichts gewußt haben will.

Klar.

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